Ei Ei Ei

Ausstellung: „Ei Ei Ei“ (03.03.2012 bis 14.04.2012)

Kunst, die auch dem Papst gefällt

Aus der „Nord-Rundschau“, am 02.03.2012, von Leonie Hemminger

"Ei Ei Ei"Weilimdorf – Genau 174 Eier hat Erika Porten, die Vorsitzende des Weilimdorfer Heimatkreises, für die Ostereier-Ausstellung im alten Pfarrhaus zusammengetragen. 174 Exemplare, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Da sind zum Beispiel hessische Eier, bei denen ein filigranes, lupenreines Muster mit Federn und Wachs aufgetragen wurde. Sorbische Eier schmücken leicht erhabene, bunte Wachsspuren. Strohapplikationen zieren tschechische Stücke. Exemplare aus Meerschaum hat Erika Porten aus Kappadokien mitgebracht, in die Bibelszenen hineingeritzt wurden. Massive Zinn-Eier stammen aus Bayern. Der Name der Kratz-Eier kommt nicht von ungefähr: hier wird das Muster in die eingefärbten Eier hineingeritzt. „Manchmal wird die Farbe auch mit Ameisensäure oder Sauerkrautsaft weggeätzt“, sagt Porten.

"Ei Ei Ei"Exemplare aus Ungarn sind in ihrem Muster an die dortige Trachtenstickerei angelehnt, Mezökövesd genannt. Andere wiederum wurden mit Eisen beschlagen. Slowakische „Kesselflicker“-Eier sind mit einem glänzenden Drahtnetz bespannt. Ein für den Heimatkreis ganz besonderes Exemplar stammt von einer Weilimdorfer Künstlerin: Darauf ist ein Hörnleshas’ zu sehen. Porzellan-Eier aus Estland, Speckstein-Eier aus Kenia, Ton-Eier aus Mexiko, Holz-Eier aus Hinterindien – die Liste lässt sich noch lange fortsetzen.

Ein Geschenk an den Liebsten

"Ei Ei Ei"„Das ist echte Kunst“, sagt Porten. Bei der Auswahl der Sammlungsstücke legt sie großen Wert darauf, dass diese einen volkskundlichen Hintergrund haben. Angefangen zu sammeln hat die Hobbyhistorikerin vor knapp 30 Jahren. Bei einem Ausflug in ihre hessische Heimat entdeckte sie die bemalten und mit Sprüchen beschriebenen Eier von Auguste Mann, die sich die alte Tradition angeeignet hatte. Der Brauch stammt laut Porten aus dem 16. Jahrhundert. Zusammen mit guten Wünschen wurden die beschriebenen Eier an Patenkinder oder auch als Liebesgabe einem auserwählten jungen Mann geschenkt.

„Die roh gefärbten Eier von Auguste Mann haben es bis zum japanischen Kaiser Hirohito und zum Papst gebracht. Es sind wahre Kostbarkeiten“, sagt die 70-Jährige. Sie selbst war so fasziniert, dass sie bei Auguste Mann die ersten Eier ihrer Sammlung kaufte. Seither fährt die Heimatkreis-Vorsitzende regelmäßig zu einem Ostereiermarkt am Feldberg, wo Künstler aus der ganzen Welt ihre kleinen Kunstwerke verkaufen. Denn noch immer hat sie nicht genug. „Ich hätte gerne noch mehr ungarische Mezökövesd-Eier. Und vielleicht muss ich mal noch eine Ostereier-Reise nach Polen machen“, sagt sie lachend. Auch eine echte Rarität kann Erika Porten ihr Eigen nennen: mit dünnen Federn bemalte Exemplare aus Rumänien, so genannte Pysanki-Eier. „Die gibt es gar nicht mehr zu kaufen“, sagt sie.

Schlechte Aussichten ohne Ostereier

"Ei Ei Ei"Bei anderen hingegen hofft sie, dass es sie noch sehr lange geben wird: die Huzulen-Eier, Portens jüngster Erwerb. Eine rumänische Minderheit stellt diese her. „Einer Sage nach wird die Welt untergehen, wenn bei diesem Volksstamm das Ostereiermalen aufhört“, erzählt Porten, und fügt lachend hinzu: „Hoffentlich machen sie noch lange weiter.“ Ebenso hofft sie, dass sich viele Besucher von der Ausstellung inspirieren lassen, selbst Ostereier zu gestalten. „Denn ein Brauch lebt vom Wandel durch Mode und die Kreativität des Schaffenden weiter“, ist sie sich sicher.