Geliebtes Bilderbuch

Ausstellung: „Geliebtes Bilderbuch“ (28.10.2011 bis 04.02.2012)

Pressemeldungen zur Bilderbuchausstellung:
Bericht vom 26. Oktober 2011 auf weilimdorf.de: [mehr…]
von Hans-Martin Goede

„Geliebtes Bilderbuch“: Reise zurück in die Kindheit mit dem Heimatkreis

Erika Porten in der Bilderbuch-Ausstellung

Erika Porten in der Bilderbuch-Ausstellung

Einmal zurück in die Kindheit reisen und in den Lieblingsbüchern von damals schmökern? Der Weilimdorfer Heimatkreis macht es möglich! Egal ob Struwwelpeter, Max und Moritz oder Grimms Märchen – die neue Ausstellung der Heimatstube birgt ab 29. Oktober 2011 bis zum 04. Februar 2012 immerhin 145 seltene Schätze von WeilimdorferInnen.

Auf Initiative von Erika Porten (69) hat der Weilimdorfer Heimatkreis wieder einmal neue Schätze in der Heimatstube – und diesmal kennt sie jeder: Kinderbücher aus den letzten 150 Jahren, das älteste vorgestellte Werk ist aus dem Jahr 1856: „Deutsche Volksmärchen“ von Franz Holtmann. Und Erika Porten brauchte nicht lang für ihre Suche: Anfang September startete der Heimatkreis die öffentliche Suche, binnen weniger Tage wurden mehr als 200 Bücher aus den letzten 150 Jahren angeboten – 145 von 16 Leihgebern sind nun ausgestellt.

Geliebte Bilderbücher in der Heimatstube

Geliebte Bilderbücher in der Heimatstube

Vielfach bereitet vor allem bei den älteren Ausgaben aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg für den Betrachter schon das Lesen der Titel Schwierigkeiten: Kapitälchen-Schrift ist im Vergleich zur Sütterlin-Schrift, die vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verwendet wurde, noch gut zu lesen. Schwieriger wirds dann bei den Titeln, die noch in Alt-Deutschen Worten dargestellt werden: So hieß „Schneewittchen“ früher im Original „Sneewitchen“, man stolpert sprichwörtlich über die Schreibweise. Auch gab es vor den „Lustigen Geschichten für Kinder“ früher mehr „Erheiterung für Kinder mit kleinen Fabeln“. Bei vielen Büchern konnte Erika Porten hingegen nur sehr schwierig die Epoche ermitteln: „Früher wurden viele Bücher ohne Jahresangabe und ohne Verlagshinweis gedruckt!“ Und so musste Porten einige Bücher anhand ihrer Gestaltung der Grafiken, epochaler Darstellungsweisen und Schrifttyp datieren – was ihr aber problemlos gelang, immerhin kommt sie aus einer Buchhandlungsfamilie: „Viele Bücher sind mir vertraut – alle haben auch einen eigenen unverwechselbaren Duft!“.

Geliebte Bilderbücher in der Heimatstube

Geliebte Bilderbücher in der Heimatstube

Die Geschichte des Buchdrucks begann um 1450 mit den ersten Gutenberg-Drucken – doch jahrhundertlang wurden meist nur kirchliche Bücher wie die Bibel gedruckt. Erst im 19. Jahrhundert ging der Buchmarkt mehr in die Breite, die ersten Kinderbücher kamen um 1850 auf. „Bis zu dieser Zeit kannte die meisten Familien nur die Bibel, aus denen wurde den Kindern auch vorgelesen“, weiss Erika Porten. Erst durch die Schule kamen die Kinder dann auch mit anderen Texten in Verbindung – während der Industrialisierung kam es so auch zu den ersten Kinderbüchern, die wie Schätze behandelt wurden und einen unschätzbaren Wert besaßen.

Am 28. Oktober eröffnet der Heimatkreis um 19.30 Uhr feierlich seine neue Ausstellung. Besichtigt werden können die Buchwerke immer samstags von 15 bis 17 Uhr (bis zum 04. Februar 2012) sowie nach telefonischer Anmeldung unter (0711) 834243.

Erika Porten will über die Winterzeit auch einen „Kindernachmittag“ mit dem Vorlesen aus den alten Büchern und Bastelangebot anbieten: „Diese alten Büchern haben einen ungeahnten Anziehungswert bei Kindern, besonders die bereits in Vergessenheit geratenen Reim-Bücher!“ schmunzelt Porten und denkt dabei an ihre Enkel – sie spricht aus eigener Erfahrung. Der erste „Kindernachmittag“ findet bereits am 2. November statt – doch die Plätze sind begrenzt, eine Anmeldung unter (0711) 834243 ist daher unbedingt erforderlich.


Und die Moral von der Geschicht“…
Aus der „Nord-Rundschau“, am 28.10.2011, von Leonie Hemminger

Weilimdorf. Weilimdorf Heute öffnet in der Heimatstube im alten Pfarrhaus die Ausstellung „Geliebtes Bilderbuch“. Von Leonie Hemminger

Geliebtes Bilderbuch“ – der Titel der Ausstellung spricht Erika Porten aus dem Herzen. Die Vorsitzende des Weilimdorfer Heimatkreises strahlt, wenn sie in einem der alten Bilderbücher blättert, die von heute an in der Heimatstube gezeigt werden. Auch zwei dicke Märchenbücher aus Portens Kindertagen liegen in einer Ausstellungsvitrine. „Die liebe ich heiß und innig“, schwärmt die 69-Jährige. Insgesamt hat sie 145 Exponate von 16 Leihgebern, allesamt Weilimdorfer Bürger, zusammengetragen. „Nach einem Aufruf in der Zeitung habe ich unheimlich viele Stücke bekommen. Wir zeigen hier eine Auswahl davon“, sagt die Weilimdorferin, die die Ausstellung zusammen mit Angelika Hafner konzipiert hat.

Das älteste Bilderbuch, das Erika Porten aufgetrieben hat, stammt aus dem Jahr 1856: „Deutsche Volksmärchen“ von Franz Holtmann. Im Vordergrund der Bilderbücher jener Zeit stand weniger die Unterhaltung als vielmehr die Erziehung der Kinder. Ein imaginärer Zeigefinger schien aus den meisten Kinderbüchern emporzuragen und die jungen Leser zu sittsamem Verhalten zu ermahnen. Das Buch „Erheiterung für Kinder in kleinen Fabeln“ von Gustav Holting etwa, dessen Erscheinungsjahr Porten auf 1860 schätzt, enthält zwölf Illustrationen mit jeweils einem Reim, an dessen Ende stets eine Moral steht.

Wie Angelika Hafner recherchiert hat, existieren Kinderbücher etwa seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. „Erst in der Romantik begann man, Kindern eigene Bücher anzubieten. Davor galten sie als kleine Erwachsene“, sagt Porten. Dann erst seien spezielle Kinderbücher herausgegeben worden, die kindgerecht illustriert wurden. Doch nur wenige Menschen konnten sich diesen Luxus leisten. „Bücher waren sehr teuer“, erklärt Porten. In den meisten Haushalten habe es lediglich eine Bibel und vielleicht noch ein oder zwei Andachtsbücher gegeben, „mehr nicht“. Außerdem konnte nur ein kleiner Teil der Bevölkerung überhaupt lesen. „Die allgemeine Schulpflicht wurde 1650 in Württemberg eingeführt. In Weilimdorf gab es aber schon 1531 die erste Schule“, weiß Porten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts war die Alphabetisierung laut Hafner so weit fortgeschritten, dass Literatur auch ein breiteres Publikum erreichen konnte.

Eine Vitrine widmet sich einem Klassiker: dem Struwwelpeter. 1845 kam das Kinderbuch, das als eines der ersten und erfolgreichsten gilt, heraus. Verschiedenste Institutionen nutzten die Geschichten für ihre Zwecke. 1877 erschien ein „Militär-Struwwelpeter“; 1941 gab ein englischer Verlag einen „Struwwel-Hitler“ als Kriegspropaganda heraus. Auch einen „68er-Struwwelpeter“ hat Porten ergattert, „der revolutioniert gegen alles“. 1890 erschien für Mädchen eine „Struwwlliese“, in der die Leserinnen ermahnt werden, welche Folgen Naschsucht, Eitelkeit und Neid haben.