Meisterstücke

Ausstellung: „Meisterhaft – Gesellen- und Meisterstücke aus Weilimdorf“
(15.06.2012 bis 27.10.2012)

Meisterstück von Zimmermann Detlev Frodermann

Meisterstück von Zimmermann Detlev Frodermann

Es ist wieder einmal soweit: Die neue Ausstellung des Weilimdorfer Heimatkreis heißt „Meisterhaft – Gesellen- und Meisterstücke aus Weilimdorf“ und wird am 15. Juni um 19.30 im Alten Pfarrhaus eröffnet.

Geöffnet ist sie vom 16. Juni bis 27. Oktober 2012 samstags von 15 – 17 Uhr im Alten Pfarrhaus, Ditzinger Straße 7.: gezeigt werden Gesellen- und Meisterstücke von 1915 – 1995 aus den Bereichen Zimmerei, Tischlerei, Damenschneider, Optiker, Werkzeugmacher, Konditor, Buchbinder, Graveur und Elfenbeinschnitzer. Dazu gibt es einen Gesellenbrief eines Weilimdorfer Steinhauers von 1778 und andere Dokumente.

Aus Anlaß der 100 Jahr-Feier des BDS ist die Heimatstube am Samstag, dem 16. Juni 2012 von 15 – 18 Uhr und am Sonntag, dem 17.06.von 11 – 18 Uhr geöffnet.

Die Fotos (rechts) zeigen Meisterstücke vom Graveur A. Höritzer, Buchbinder Rudolf Schiller und Zimmermann Detlev Frodermann. Fotos: Erika Porten.

aus Nr. 26 vom Freitag, dem 29.06. in „In & um Weilimdorf „:
Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen des Bundes der Selbstständigen Meisterliches aus Weilimdorf

Meisterstück vom Graveur A. Höritzer

Meisterstück vom Graveur A. Höritzer

Der Bund der Selbstständigen Weilimdorf hat dieser Tage sein 100-jähriges Jubiläum gefeiert. Gleichzeitig wurde in der Weilimdorfer Heimatstube eine Sonderausstellung mit Gesellen- und Meister- stücken eröffnet.
In der Weilimdorfer Heimatstube sind derzeit im Rahmen der Ausstellung „Meister- stücke“ ganz besondere Exponate zu se- hen. Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums des Bundes der Selbstständigen (BDS) hatte die Vorsitzende des Heimatkreises Erika Porten die Idee, eine Ausstellung mit Gesellen- und Meisterstücken von Weilimdorfer Bürgern zusammenzustellen. Im Vorfeld der Ausstellung hatte sie alle Weilimdorfer aufgefordert der Heimatstube für die Ausstellung ihre Arbeiten zur Verfügung zu stellen. Die Resonanz war gut, so dass in der Ausstellung nun Exponate aus den verschiedensten Handwerkssparten gezeigt werden können. Und auch zahlreiche Bild- und Textdokumente sind in der Ausstellung zu sehen, darunter der Gesellenbrief von Johann Jakob Heim aus dem Jahr 1778.

Dieser Johann Jakob Heim habe, wie im Ortssippenbuch nachzulesen ist, die Weilimdorferin Rebekka Schweizer geheiratet. Seine Lehrzeit als Steinhauer und Maurer hatte Heim in Enzwei- hingen absolviert, was ihm mit einem Schreiben von Zunftmeister Jakob Christoph Boions attestiert wurde.

Ein weiteres sehr interessantes Exponat ist ein Foto aus der Gründungszeit des Weilimdorfer BDS. Auf dem Bild sind Handwerker aus den verschiedensten Gewerken – vom Zimmermann bis zum Flaschner zu sehen. 37 Handwerker waren übrigens bei der Gründung des Gewerbevereins im Jahr 1912 dabei. Eine recht große Zahl für die damals 2.700 Einwohner zählende Gemeinde. Weitere Fotos, die in der Ausstellung zu sehen sind, zeigen die ehemalige Ziegelei Schäuble und die Küferei Riehm.

Meisterstück von Buchbinder Rudolf Schiller

Meisterstück von Buchbinder Rudolf Schiller

In ihrem Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung ging Erika Porten unter anderem auch auf die Zünfte ein, die schon seit dem Mittelalter aktiv waren. Die erste urkundliche Erwähnung einer Zunft sei die der Bettdeckenweber von Köln aus dem Jahr 1149. Um 1200 hätten die Zünfte dann erstmals Forderungen nach Selbstständigkeit und demokratischen Regeln formuliert. Solche Gruppen seien innerhalb einer Stadt damals auch „Verschwörung“ genannt worden, weil sie fast immer auch politische Einflus- snahme beinhaltet hätten. Vielfach seien sie deshalb stark eingeschränkt oder gar ganz verboten gewesen. Lediglich in den Freien Reichsstädten sei den Zünften eine Dominanz im Rat garantiert worden. Mit einer modernen Demokratie könne das aber nicht gleichgesetzt werden.

Die Zünfte hätten das Leben ihrer Mitglieder entscheidend bestimmt. Die Gemeinschaft der Amtsmeister regelten die Arbeit und Betriebsführung der Einzelnen sowie die Qualität der Produkte und kontrollierten auch die sittliche Lebensführung. Nach Einführung der Gewerbefreiheit 1871 hätten die Zünfte dann an Bedeutung verloren. Die Handwerkerinnungen, Handwerkskammern und Gewerbevereine seien deren moderne Nachfolger.

In der Ausstellung sind neben dem bereits erwähnten Gesellenbrief von Johann Jakob Heim auch diverse Zeugnisse und Gesellenwanderbücher zu sehen. Dokumente aus einer Zeit, als es nach der Lehrzeit noch Pflicht war, auf Wanderschaft zu gehen.
Gesellenstücke als Abschluss der Lehrzeit seien erst um 1800 aufgekommen, erläutert Porten. Mit dem Gesellenstück legt der Geselle Zeugnis über seine Fähigkeiten ab, die er sich im Laufe der Ausbildung erworben hat. Das Gesellenstück soll auch zeigen, dass er Maschinen sach- und fachgerecht einsetzen sowie logisch und praktisch denken kann.

Das älteste Gesellenstück, das im Rahmen der Ausstellung zu sehen ist, stammt von Wilhelm Groß. Der Weilimdorfer hat 1915 seine Gesellenprüfung als Buchbinder abgelegt. 1922 fertigte Wilhelm Groß sein Meisterstück – ein Goetheband mit Goldschnitt. „Die Buchbinder mussten bei der Prüfung immer auch eine Schatulle anfertigen“, erzählt Porten. Groß fertigte bei seiner Meisterprüfung ein Schmuckkästchen, das innen mit einem beschichteten Papier ausgelegt ist, welches an Zelluloid erinnert. Und noch ein weiterer Buchbinder aus Weilimdorf hat sein Gesellen- und sein Meisterstück für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Letzteres ist eine in schwarzes Leder gebundene Bibel. Diese Bibel sei lange Jahre in der Oswaldkirche in Benutzung gewesen, so Porten.
Interessant ist auch das Gesellenstück von Karoline Gehring. Zum Abschluss der Damenschneiderlehre lautete die Aufgabe einen sogenannten Musterrock herzustellen. Dieser Musterrock musste mit verschiedenen Nähten und Knopflocharten, Taschen und Falten etc. versehen sein. Die Näharbeiten seien alle von Hand gemacht worden, erklärt Porten.

Zu sehen ist ferner das Meisterstück von Detlef Frodermann – eine Holztreppe im Kleinformat, an der der Zimmermeister bei der Prüfung verschiedene Verarbeitungstechniken demonstrieren musste. Gezeigt werden außerdem die Meisterbeziehungsweise Gesellenstücke der Optikerfamilie Schill, der Elfenbeinschneiderin Verena Lutter, des Werkzeugmachers Martin Walz und des Stuckateurs Manfred Schrade. Schrades Meisterstück liegt allerdings aus nachvollziehbaren Gründen lediglich in Form eines Planes und als Foto vor. Zu bewundern ist es in der Bibliothek von Schloss Hohenheim.

Eine Besonderheit der Ausstellung sind sicher die Arbeiten von Till Maier. Er hat zunächst den Beruf des Handzuginstrumenten- bauers erlernt und als Gesellenstück eine Ziehharmonika hergestellt. Sein zweites – im Rahmen seiner Tischlerlehre gefertigtes Gesellenstück – ist eine Vitrine für Gesellenstück Nummer eins. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Arbeit des Graveurs Alfred Höritzer. Sein Gesellenstück ist eine Petschaft, hergestellt aus einem einzigen Metallstück. Interessant ist auch seine Abschlussarbeit an der Höheren Technischen Lehranstalt – eine Stahlstichplatte mit dem Konterfei von Johann Strauss Sohn – die später zur Druckvorlage für den 100 Schilling-Schein der Republik Österreich wurde.

Die Ausstellung „Meisterhaft – Gesellen- und Meisterstücke aus Weilimdorf“ ist noch bis 27. Oktober zu sehen. Die Heimatstube ist immer samstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Termine können unter Telefon 0711/834243 vereinbart werden.
© Text: Tommasi, www.pressebuero-tommasi.de