unser Gedächtnis

Ausstellung: „Die Heimatstube – unser Gedächtnis“ (05.03. bis 04.06.2011)

historische Schulbank

historische Schulbank

In Anlehnung an das Thema des diesjährigen Internationalen Museumstags am 15. Mai „Museen – unser Gedächtnis -“ zeigt die Heimatstube Dokumente, Objekte und Fotos zu der Zeit von 1914 – 1955.

Der 1. und 2. Weltkrieg, Eingemeindung und Straßenbahn, Schwarzschlachtung und Besatzungszeit werden in vielen Dokumenten vorgestellt und erzählen von den Schicksalsschlägen und Schwierigkeiten, mit denen die Bevölkerung in dieser Zeit konfrontiert wurde. Auch die Schuhmacherwerkstatt ist wieder zu sehen.

Vom Federhalter bis zur Feldpostkarte
„Stuttgarter Nord-Rundschau“, am 04.03.2011, von Leonie Hemminger

„Die Heimatstube – unser Gedächtnis“ lautet der Titel der neuen Ausstellung des Heimatkreises.

die Schuhmacherwerkstatt

die Schuhmacherwerkstatt

Es sind besonders die schönen Ereignisse, die wir gern im Gedächtnis behalten. Doch verdrängen lassen sich die traurigen oder schrecklichen Erlebnisse meist nicht. Manches darf auch gar nicht aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht werden, wie etwa die Schrecken der beiden Weltkriege. In der neuen Ausstellung des Weilimdorfer Heimatkreises, die den Titel „Die Heimatstube – unser Gedächtnis“ trägt, richtet die Vereinsvorsitzende Erika Porten den Fokus gezielt auf jene Zeit voller Entbehrungen, Kummer und Leid. Die Exponate sind Dokumente, Objekte und Fotos aus Weilimdorf aus den Jahren 1914 bis 1955. „Die Ausstellung soll die Situation und die Schicksalsschläge der Weilimdorfer Bürger in dieser Zeit zeigen“, sagt Porten. Inspiriert worden ist sie durch den internationalen Museumstag am 15. Mai, der dieses Jahr unter dem Motto „Museen – unser Gedächtnis“ statt findet. „Ich sehe die Ausstellung als eine Erweiterung der Dauerausstellung, für die immer viel zu wenig Platz ist. Jetzt habe ich die Möglichkeit, etwas von dem zu zeigen, was sonst auf der Bühne liegt“, erklärt Porten.

Lebensmittel- und Bekleidungsmarken 1945 - 1947

Lebensmittel- und Bekleidungsmarken 1945 – 1947

Die Bandbreite der Exponate ist ausgesprochen vielfältig, bisweilen anrührend und auf unterschiedlichsten Ebenen informativ. Zum Beispiel wird ein Kriegskochbuch des schwäbischen Frauenvereins von 1916 ausgestellt. „Unsere Aufgabe ist es, die Nahrungsvorräte einzuteilen, sie sparsam zu verbrauchen und sie nach Möglichkeit auszunutzen“, ist in der Einleitung zu lesen. Auch einige Lebensmittelmarken desselben Jahres liegen aus. Sie wurden vor ein paar Jahren auf dem Dachboden des alten Rathauses gefunden. „Diese kleinen Papierschnipsel sagen unheimlich viel aus“, meint Porten.

Ferner zu sehen sind Feldpostkarten von jungen Weilimdorfer Soldaten. Die meisten waren an der französischen Front eingesetzt, berichtet die Vereinsvorsitzende. 117 Männer aus Weil im Dorf sind im Ersten Weltkrieg gefallen. „Das ist eine ganze Menge für ein Dorf, das nur 3000 Einwohner hatte.“ Aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen hat Porten ein frohes Ereignis in die Ausstellung aufgenommen: Die Eröffnung der Straßenbahnlinie 13, die ab dem 30. Dezember 1926 bis zur Glemsgaustraße fuhr. Zeitungsausschnitte bezeugen das Ereignis jener Tage. „Doch bald haben sich die Zeiten geändert, denn dann kam der Zweite Weltkrieg.“ Die Ausstellung zeigt beispielsweise einen Brief vom 15. Juli 1944, in dem eine Frau über den Tod ihres Mannes informiert wird. Eine Tragik, die den ganzen Stadtbezirk betraf, ereignete sich in der Nacht vom 28. auf den 29. Januar. Bei einem Angriff kamen 54 Menschen ums Leben, 200 Häuser wurden beschädigt oder komplett zerstört. „Zur Erinnerung daran habe ich Bombensplitter aus Weilimdorf und eine Gasmaske ausgestellt“, sagt Porten.

Besonders stolz ist die Vereinsvorsitzende auf ihre neueste Errungenschaft: eine Schulbank von 1930, die aus dem Privatbesitz einer Weilimdorferin stammt. Auch Tintenfass und Federhalter liegen bei sowie ein aufgeschlagenes Schulheft mit einem Schulaufsatz, der auf den 6. Mai 1944 datiert ist. „Der Gang zur Schule ist im Kriege doppelt schwer“, lautet der Titel.