Weilimdorf im Mittelalter

Ausstellung: „Weilimdorf im Mittelalter“ (21.05.-23.10.2010)

Übereignung der kirchlichen Güter von Weilimdorf an des Chorherrenstift Sindelfingen 1243

Übereignung der kirchlichen Güter von Weilimdorf an des Chorherrenstift Sindelfingen 1243

Die Ausstellung „Weilimdorf im Mittelalter – Eine Spurensuche“ wurde am Freitag, 22. Mai, um 19.30 Uhr in der Heimatstube im Alten Pfarrhaus, Ditzinger Straße 7, eröffnet. Es erscheint auch ein Heimatblatt zum Thema.

Artikel aus der Stuttgarter Nord-Rundschau vom 22. Mai 2010: Zeugnisse eines gebeutelten Dorfes

Von Leonie Hemminger

Aus Wyl wurde Wile, später Wyl dem Dorf, dann Weil im Dorf und schließlich, seit 1954, ist die Rede von Weilimdorf. Was heute ein Stuttgarter Stadtbezirk ist, war früher ein kleiner Ort, der mit wechselnden Herrschaftsverhältnissen zu kämpfen hatte. 1059 wurde Wyl durch den Grafen Adalbert II. von Calw erstmals urkundlich erwähnt. Erika Porten, die erste Vorsitzende des Heimatkreises Weilimdorf, hat sich auf Spurensuche begeben und eine Ausstellung zum Thema „Weilimdorf im Mittelalter“ zusammengestellt.

Restaurierte Bügelkanne aus der "Alten Burg", um 1200, Grabung 1949 - 1952

Restaurierte Bügelkanne aus der „Alten Burg“, um 1200, Grabung 1949 – 1952

Seit gestern sind verschiedene historische Objekte und Kopien von Originaldokumenten in der Heimatstube im alten Pfarrhaus zu besichtigen. „Mit der Ausstellung wollte ich bezwecken, dass die Weilemer sich ihrer Vergangenheit erinnern und wissen, dass sie einmal ein gebeuteltes Dorf gewesen sind, das ständig den Besitzer gewechselt hat“, sagt Porten. „Das sind Dinge, die man heute nicht mehr weiß.“

Die Idee zu der Ausstellung bekam die 68-Jährige durch die so genannte Räuberburg, offiziell bekannt als Burg Dischingen. Zu der Ruine wanderte sie früher gerne mit ihren Kindern. „Aber ich kann ja nicht nur die Burg ausstellen. Da dachte ich mir, dann mache ich halt eine Ausstellung zu Weilimdorf im Mittelalter.“ Anderthalb Jahre lang bereitete sie die Ausstellung vor, recherchierte in Büchern und kümmerte sich darum, dass ihr das Hauptstaatsarchiv Fotografien von Dokumenten wie Urkunden oder Landkarten zukommen ließ. „Die Originale konnten nicht mehr ausgeliehen werden, da sie zum Teil durch Wasser oder den Krieg stark beschädigt worden sind“, erklärt Porten.

Steuerliste von 1350

Steuerliste von 1350

Ihr ganzer Stolz ist jedoch eine Original-Leihgabe aus dem Stadtmuseum: eine Bügelkanne aus dem 12. Jahrhundert, deren Scherben in einer Brandschicht der Alten Burg im Lindental gefunden wurden. Anhand dieses Fundes ließ sich die Zerstörung der Burg auf jenes Jahrhundert zurückdatieren, weiß Porten. Man gehe davon aus, dass die aus Holz gebaute Alte Burg bei einem Angriff durch ein Feuer zerstört wurde. Daraufhin wurde nur wenige hundert Meter weiter die Dischinger Burg gebaut, „sie war militärtechnisch sehr viel besser“, sagt Porten. Ihre Lage auf einem Felsvorsprung habe einen weiten Blick über das ganze Strohgäu zugelassen, die Mauern seien aus bis zu drei Meter dickem Stein gebaut worden. „Später hat die Burg als Steinbruch gedient und wurde abgeräumt. Man wusste lange Zeit nicht mehr genau, wo sie gelegen hatte.“ Erst eine Luftmine des Zweiten Weltkriegs legte die Steine frei.

Die Dischinger Burg: zwischen Turm und Haus. Foto von der archäologischen Grabung 1952 unter Dr. Gerhard Wein

Die Dischinger Burg: zwischen Turm und Haus. Foto von der archäologischen Grabung 1952 unter Dr. Gerhard Wein

In den 50er Jahren führte der Wissenschaftler Gerhard Wein an beiden Stätten Ausgrabungen durch. Viele Kinder halfen damals beim Buddeln. „Das müssen Unmengen von Keramikscherben gewesen sein. Ich würde mich freuen, wenn diejenigen, die damals als Kind mitgeholfen haben, die Funde für die Ausstellung zur Verfügung stellen würden“, sagt die 68-Jährige.

Ein weiteres Dokumente, das in der Ausstellung zu sehen ist, ist beispielsweise ein Ausschnitt vom Glemsgau aus einem Gadner Atlas von 1596. Auch eine Urkunde aus dem Jahr 1075 ist ausgestellt, in der Graf Adalbert II. das Kloster Hirsau begründet und diesem ein Gut in Wyl zuspricht. Auch sind Kopien von Münzen zu sehen, eine Bulle von 1476 sowie ein Freskenzyklus mit Szenen aus dem höfischen und bäuerlichen Leben. So ergeben viele einzelne Relikte einen schönen Eindruck von einer weit entfernten Zeit.