Märklin, Anker & Co

Weilimdorfer Heimatkreis e.V. Ausstellung: „Märklin, Anker & Co“
(23.11.2012 bis 16.11.2013)

Dampfmaschine

Dampfmaschine

Die neue Ausstellung 2012/13 des Weilimdorfer Heimatkreis hieß „Märklin, Anker & Co“.

Geöffnet war sie vom vom 23.11.2012 bis 16.11.2013 samstags von 15 – 17 Uhr im Alten Pfarrhaus, Ditzinger Straße 7.: gezeigt werden Bubenspielzeuge aus den letzten 150 Jahren.

Die Fotos auf dieser Seite stammen von Hans-Martin Goede, vielen Dank.

Bericht aus der Stuttgarter Zeitung vom 30.11.2012: „Da kann man stundenlang zuschauen“

Erwin Kurz und Erika Porten

Erwin Kurz und Erika Porten

Es knattert und scheppert und dampft. Erwin Kurz, der stellvertretende Vorsitzende des Weilimdorfer Heimatkreises, ist in seinem Element. Eifrig tüftelt der Weilimdorfer an einer Miniatur-Wilesco-Dampfmaschine aus dem Jahr 1960. Räder drehen sich, Kondenswasser tropft. Die Mechanik funktioniert, und Erwin Kurz strahlt. „Nach den Puppenstuben-, Kaufladen- und Bilderbuchausstellungen in den Vorjahren haben die Herren im Vorstand gesagt, jetzt wollen sie mal eine Ausstellung für sich“, sagt Erika Porten, die Vorsitzende des Heimatkreises.

Erwin Kurz an der Eisenbahnanlage

Erwin Kurz an der Eisenbahnanlage

Die Suche nach altem Bubenspielzeug gestaltete sich leicht: Nach einem Aufruf in der Presse sei das Echo enorm gewesen, berichtet Erika Porten. „Ich habe gar nicht alles unterbekommen. Deshalb konzentrieren wir uns jetzt auf die technischen Spielsachen.“ Mit ihnen seien die Buben im vergangenen Jahrhundert in die Welt der Technik eingeführt worden, weshalb sie schon damals als „Lehrspielzeug“ bezeichnet wurden. Das Blechspielzeug entstand Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung. Aus Abfallprodukten stellten Flaschner, Blechner oder Klempner zunächst Puppenküchen, später auch Kräne, Karren und ähnliches her.

Modelleisenbahnen gibt es seit dem 19. Jahrhundert

Erika Porten mit Fischertechnik

Erika Porten mit Fischertechnik

Die ersten Modelleisenbahnen gehen auf Carl und Eugen Märklin zurück, die 1888 das Unternehmen ihres Vaters übernahmen. Ein Märklin-Modell aus dem Jahr 1950 steht auch in der Heimatstube. Mit aufgezogenem Uhrwerk schafft der Spur-0-Zug genau zwei Runden – wenn nichts schiefgeht. „Zugunglück!“, ruft Erwin Kurz und hebt die in der Kurve entgleiste Lok wieder ins Gleis zurück. „Früher wurde die Eisenbahn nicht auf einem Tisch, sondern auf dem Fußboden aufgebaut“, erinnert sich Erika Porten. „So hat man dann die Weihnachtsabende verbracht.“

Der Fortschritt der Spielzeugtechnik lässt sich an einem Fleischmann-Modell aus dem Jahr 1970 beobachten, das elektrisch betrieben ist. Zwei Züge drehen in einer hügeligen Landschaft Runde um Runde. „Da kann man stundenlang zuschauen“, meint die Vorsitzende. Ihr Stellvertreter bedient derweil schon das nächste Spielzeug: Eine kleine Gondel tuckert an einem Seil bergauf und bergab.

Auch das Bauen gefällt nicht nur den Jungs seit jeher. Der Heimatkreis zeigt alte Kräne oder Kipplaster mitsamt deren Bauanleitungen von 1920. In einer anderen Ecke türmen sich kleine Ziegelsteine, Sandsteine und Schiefer zu einem stattlichen Stadttor auf.

Spielerisch Ordnung lernen

„Die Steine aus den Anker-Steinbaukästen sind so exakt, dass die Statik ganz fest ist“, sagt die Vereinsvorsitzende. Genial findet sie das System der Aufbewahrung: Eine Art Lageplan gibt vor, wo welcher Stein einzuräumen ist, damit auch alle zurück in den Kasten passen. „So wurden die Kinder zur Ordnung erzogen“, sagt Erika Porten.

Kleine Tüftler beschäftigten sich früher wohl am liebsten mit Experimentierkästen, die unter anderem vom Verlag Kosmos herausgegeben wurden. „Mit ihnen konnten Buben naturwissenschaftliche Probleme erlernen“, so die Hobbyhistorikerin. In der Heimatstube sind unter anderem eine Anleitung für den Bau eines Elektromotors oder eines Radioapparats zu sehen.

© Text: Leonie Hemminger, www.stuttgarter-zeitung.de